Sanette Tunika

Drei Tage Ferienfußballschule liegen hinter dem kleinen Blühwürmchen und mir und obwohl ich ja eigentlich gar nicht mitgespielt habe und nur zwischendurch mal wichtige elterliche Pflichten wie Brötchen schmieren und Getränke reichen erfüllt habe, bin ich anscheinend deutlich müder als der kleine Profikicker. (Wann bin ich eigentlich so alt geworden?)

Ich bin nämlich der schlimmste Zuschauer der Welt und muss mir ständig auf die Lippen beißen, damit ich nicht lauthals irgendwas über den Platz brülle. Dazu leide ich immer extrem mit dem Verlierer und kann mich deshalb wohl als einziger Mensch auf der Welt am allermeisten über ein Unentschieden freuen. Deshalb bin ich nach solchen Spielen immer völlig fertig. Deutlich müder und angespannter, als wenn ich selber mitgespielt hätte.

Selbst mit gebrochener Nase habe ich zu meinen eigenen Fußballerinnenzeiten noch zu Ende gespielt und mich nie auswechseln lassen. Meine größte Sorge während der übrigen 60 Minuten Pokalfinale war, dass der Schiedsrichter meine immer wieder blutende Nase bemerken könnte und ich den Rest des Spiels auf der Bank verbringen muss. Das wäre wirklich die Höchststrafe für mich gewesen! Wir haben das Spiel damals verloren, aber ich hatte es eben selbst mit in der Hand bis zur letzten Sekunde und konnte sauer auf mich selbst sein und musste mir keinen anderen Schuldigen suchen.

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, ich würde es heute, 15 Jahre später, immer noch genau so machen. In der Hinsicht habe ich mich nicht verändert und werde es vielleicht auch nie. Ich werde wohl nie die typische Fußballermutti sein, die ihr Schätzchen betüdelt und die sich für das Spiel gar nicht interessiert. Das bin nicht ich! Ich bin diejenige, die am Spielfeldrand mitfiebert als ginge es um die Weltmeisterschaft und die sich die Augen bei Elfmetern zuhalten muss und am allerliebsten jede Spielsituation kommentieren würde.

Deswegen finden mich viele der anderen Mütter dort vermutlich befremdlich und ich habe immer das Gefühl nicht dazuzugehören und zu den Vätern, zu denen ich vermutlich besser passen würde, rein fußballerisch, gehöre ich ja auch nicht.

Ich glaube, ich bin gerade in einem schwierigen Alter und fühle mich zwischenzeitlich wie ein Alien von einem anderen Planeten, das niemand verstehen kann. Ich bin nicht mehr ganz jung, aber ich bin auch noch nicht alt. Ich habe einen Geschmack wie eine Fünfjährige, einen Bewegungsdrang wie eine Zwanzigjährige, ein Gesicht wie eine Dreißigjährige und manchmal fühle ich mich wie eine Hundertjährige, besonders, wenn mein Nacken mal wieder meint, er müsse einem Brett Konkurrenz machen. Dazu kann ich mit den typischen „Mädchenthemen“ wenig anfangen, weiß nichts übers Schminken oder über Tupperschüsseln und kann da nicht mitreden. Ich bin wohl schwierig!

Dieser Beitrag ist übrigens keinesfalls negativ gemeint oder als Aufforderung mich zu bemitleiden. Er ist lediglich eine Bestandsaufnahme meinerseits. So ist es und so lebe ich damit! Daran bin ich seit meiner Kindheit gewohnt. Ich gehöre selten irgendwo wirklich dazu und leider geht es meinen Kindern ähnlich.

Das Nähen ist nach langer Zeit nun meine Möglichkeit geworden dazuzugehören und auch, wenn ich ja meistens alleine vor den Maschinen sitze, habe ich darüber Menschen gefunden, die mir zumindest in dieser Sache ähnlich sind. Das ist wirklich schön und ich bin jeden Tag dankbar dafür. Meine Kinder haben sich mittlerweile auch ihre Teams gesucht. Die Große schwimmt mit ein paar ganz tollen Mädchen in einem Schwimmverein und der Kleine spielt eben Fußball (und tauscht Pokemon-Karten). Und ich bin gerne bereit über meinen Schatten zu springen für die Beiden und alles dafür zu tun, dass sie sich zugehörig fühlen, auch, wenn das bedeutet, dass ich eben Brötchen schmiere für 60 Kinder anstatt die supercoole Ballkanone auszuprobieren. 

Stoff: Modal „Gina und Greg“ von Lillestoff
Schnitt: „Sanette“ – erscheint morgen gegen Abend bei uns

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